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Aus der Geschichte der Feuerwehr Ravensburg

Historisches bis ins 19. Jahrhundert

In den historischen Aufzeichnungen des Stadtarchivs finden sich Berichte über verheerende Feuersbrünste. Im Jahr 1300 brannte Ravensburg bis auf 12 Häuser nieder. 1349 wütete ein großer Brand im Kästlinstor und im Jahr 1692 brannte gar der Blaserturm. Bereits im 14. Jahrhundert waren in den Sätzen der Stadt Verhaltensrichtlinien für den Brandfall festgelegt. Ende des 16. Jahrhunderts wurden den Maurern und den Zimmerleuten befohlen bei Bränden, mit ihren Knechten an den Ort des Geschehens zu laufen. Ferner sollten die Bürger ebenfalls helfen und den Hauptleuten während des Löschens gehorsam sein. Auch eine Feuerschau wurde Ende des 16. Jahrhunderts eingeführt.



Bis Ende des 18. Jahrhunderts blieben diese Verordnungen fast unverändert bestehen. Im Jahr 1824 wurde nach den Bestimmungen der „Ordnung für die Sicherheitswache und die Feuerlöschanstalt der Stadt Ravensburg“ durchgreifende Veränderungen vorgenommen. Nach dieser Ordnung war jeder Verheiratete Bürger bis zum 60. Lebensjahr, und im Notfall jeder unverheiratete Bürger ab dem 25. Lebensjahr zum Dienst verpflichtet. Die Sicherheitswache bestand aus einem Hauptmann und 60 Bürgern. Durch Läuten der Glocke auf dem Blaserturm und dann auf allen Kirchen wurde das Feuerzeichen gegeben. In die Umgebung wurden Feuerreiter ausgeschickt.

Dieses Feuerlöschwesen bestand praktisch aus allen Bürgern die im Brandfall kaum geübt waren. Im Jahre 1847 wurde eine geregelte und geübte Mannschaft auf die Beine gestellt. Der Turngemeinde Ravensburg, der Vorgänger des TSV und somit der Vorgänger des heutigem TSB, wurde die Bedienung der neuen Spritze übertragen. Ebenfalls wurde in diesem Jahr ein Aufruf an alle jungen Männer gemacht, dem neu gegründeten Pumpen-Korps beizutreten. Eine Steigerabteilung wurde 1851 gegründet. Fast die gesamte Steigerabteilung setzte sich aus Turnern der Turngemeinde zusammen. Man kann somit sagen, das die Feuerwehr Ravensburg aus der Turngemeinde entstanden ist.

Ab dem Jahr 1856 wurde lückenlos ein sogenanntes Rapportbuch geführt. In diesem wurden wichtige Ereignisse, Einsätze und Übungen niedergeschrieben. Dieses Rapportbuch wird bis heute geführt. Im Jahr 1864 wurde der Name „Feuerwehr“ geläufig und der Titel Hauptmann durch den Titel Kommandant ersetzt.

Die Firmen Gebr. Spohn und Escher Wyss gründeten 1875 und 1876 die ersten Werksfeuerwehren in Ravensburg.

1887 hatte die Feuerwehr Ravensburg eine heute unvorstellbare Größe von 861 Mann.

Der Bau der ersten Hochdruckwasserleitung im Jahr 1895 stellte einen gewaltigen Fortschritt im Löschwesen dar.

 

Die Weckerlinie

Das Signal zum Feueralarm begann mit Alarmschüssen vom Blaserturm. Danach setzte das Sturmläuten der Kirchenglocken, der Generalmarsch von Tambouren und das Alarmblasen von Hornisten in den Straße ein. Hinzu kam der Lärm von der Bevölkerung und dem rasseln der Feuerwehrgeräte auf den Straßen.



Um diese schwerfällige Alarmierung zu ändern wurde in der Verwaltungsratsitzung am 29. März 1905 eine Gründung der Weckerlinie für gut geheißen, und diese vom Gemeinderat genehmigt. In den folgenden 6 Wochen wurden ca. 30 Kameraden an allen Geräten zu Einheitsfeuerwehrmännern ausgebildet. Die Alarmwecker in den Wohnungen wurden über ein Leitungssystem angesteuert deren Alarmierungszentrale bei der ständig besetzten Polizeiwachen war. Der erste Alarm für die Weckerlinie ging am 2. Oktober 1905, morgens um 02.15 Uhr ein. Die Weckerlinie wurde zum Brand eines landwirtschaftlichen Anwesens nach Albertshof gerufen.

 

Der Erste und der Zweite Weltkrieg

Wie auch in den Betrieben und sonstigen Einrichtungen wurde der Mannschaftsstand der Freiwilligen Feuerwehr durch die Mobilmachung am 1. August 1914 enorm geschwächt. Durch Aufrufe in der Presse meldeten sich etwa 100 Männer zur Freiwilligen Feuerwehr um den geschwächten Mannschaftsstand wieder zu stärken.



Im Jahr 1938 wurden die Freiwilligen Feuerwehren als Polizeihilfstruppen in die Ordnungspolizei eingegliedert. Am 3. Juni 1939 erfolgte der Zusammenschluss der beiden Feuerwehren aus Ravensburg und Weingarten da zuvor die Eingemeindung der Stadt Weingarten zu Ravensburg durchgeführt wurde. Als am 24. September 1939 in Ravensburg der erste Fliegeralarm gegeben wurde richtete man in der Polizeinebenwache bzw. auf dem Blaserturm einen ständigen Feuerwehr - Wachdienst mit einer Stärke von 4 Mann ein, der während der gesamten Kriegsdauer aufrecht erhalten wurde.

 

Die Entwicklung seit Ende des Krieges

In den Nachkriegsjahren und nach der Zeit der Besetzung unseres Landes durch die französische Siegermacht hatte der Neuaufbau und die Neuorganisation der Feuerwehr absoluten Vorrang. Ausgangs der fünfziger Jahre konnten auch die ersten Sprechfunkgeräte zum Einbau in die Fahrzeuge und als Feststation angeschafft werden. Im Jahr 1961 wurde für die Stadt Ravensburg der einheitliche Feuerwehrnotruf 112 eingeführt1963 konnte die neue Alarmanlage bei der Feuerwehr Ravensburg in Betrieb genommen werden. Dadurch war die Anschlussmöglichkeit von 120 Alarmweckern und 60 Feuermeldern geschaffen. Im Herbst 1970 wurde durch die Einführung der Funkalarmierung ein neues Zeitalter in der Alarmierungstechnik eingeleitet. Den Beginn der technischen Hilfe bei schweren Verkehrsunfällen markierte der 12.Juni 1970. An diesem Tag wurde die Feuerwehr Ravensburg erstmals zur Befreiung von eingeklemmten Insassen eines verunfallten Fahrzeugs gerufen. Damit fiel der Feuerwehr ein neues Aufgabengebiet zu.

Mit der Neuorganisation des Katastrophenschutzes in der Bundesrepublik Deutschland erhielten verschiedene größere Feuerwehren und andere Hilfsorganisationen bestimmte Aufgabengebiete zugewiesen. In diesem Zuge wurde auch der Gefahrgutzug geschaffen. Die Einsatzschwerpunkte des Gefahrgutzuges sind heute die Beseitigung oder Verringerung der Schäden nach Unfällen aller Art mit gefährlichen Stoffen und Gütern.

Die Feuerwehr Ravensburg vergrößerte sich nochmals 1972 bis 1974, als die Kreisreform durchgeführt wurde. Die ehemals eigenständigen Ortschaften Taldorf, Eschach und Schmalegg wurden in die Stadt Ravensburg eingemeindet. Die Feuerwehr unterhält seitdem die Löschzüge dieser Teilorte.

Am 1.Juli 1983 wurde die neue Feuerwache "Salzstadel" in der Charlottenstraße bezogen Wohl kaum eine andere größere Feuerwehr mußte so viele Jahrzehnte mit Notbehelfen leben wie die Ravensburger Feuerwehr. Seit der Gründung im Jahr 1847 war die Wehr in Altbauten untergebracht, die in keiner Weise den Anforderungen einer Feuerwache genügten.

 

Feuerwehrmuseum

Die Tatsache, dass die Ravensburger Feuerwehr mit zu den ältesten deutschen Feuerwehren gehört, brachte eine Handvoll Feuerwehrenthusiasten bereits in den 60er Jahren auf die Idee, ein Feuerwehrmuseum zu gründen. Der Umzug in die Feuerwache Salzstadel schuf dann die räumliche Möglichkeiten für die Realisierung dieser Gedanken. Das Museum wird von der Altersabteilung der Abt. Stadt gepflegt und verwaltet.

 

Die Jugendfeuerwehr

Im Jahre 1991 gründete die Feuerwehr Ravensburg eine abteilungsübergreifende Jugendfeuerwehr, um auch die Jugendlichen im Alter von 12 bis 18 Jahren am Feuerwehrgeschehen zu beteiligen.

 

Schwerer Schicksalsschlag für die Ravensburger Feuerwehr am 14.März 1982

Gegen 5 Uhr am Morgen des 14.März 1982 wurde die Ravensburger Feuerwehr zu einem Einsatz gerufen der Stunden später in einer Tragödie enden sollte. Gemeldet wurde ein Brand im 38 m hohen Frauentorturm dessen hölzerner Innenausbau in hellen Flammen stand die sich im Turminnern wie in einem Kamin rasch nach oben ausbreiteten. Die aufgrund der Baukonstruktion äußerst schwierige Brandbekämpfung war nach mehrstündigem Einsatz bereits erfolgreich abgeschlossen, als bei Aufräum- und Nachlöscharbeiten die südliche Innenwand in sich zusammenbrach und die dort arbeitenden sieben Feuerwehrmänner unter sich begrub. Von den vier verschütteten Kameraden überlebte nur ein Feuerwehrmann, der bis in Brustkorbhöhe in den Trümmern lag.



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